Vom Hochstamm auf den Schulhof
16.10.07
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Alte Obstsorten bieten nicht nur eine riesige Auswahl geschmacklicher Vielfalt, sie werden von Allergikern auch wesentlich besser vertragen als Neuzüchtungen aus intensivem Anbau. Während diese in den Supermärkten, meistens von weit her geholt, die Palette des Obstangebotes bestimmen, verschwinden die alten Streuobstbestände schleichend aus unserer Landschaft.
Die Einführung der Ganztagsbetreuung in den Schulen des Kreises Bergstraße gab Anlass für ein Projekt, das neue Chancen für eine alte Kulturform, aber auch für die ganzheitliche Entwicklung junger Menschen aufzeigen kann. Eine ungewöhnliche Allianz aus Naturschutz-, Gesundheits- und Schulverwaltung soll den Rahmen schaffen für eine effektive Zusammenarbeit zwischen Streuobstbesitzern, Keltereien, Schulen und sozialen Einrichtungen.
Umwelt- und Klimaschutz, Wirtschaftsförderung und Gesundheitsvorsorge sind auf diesem Wege vereinbar - mit „Profit“ für jeden Teilnehmer.
Kernstück des Projekts ist die Lohnmosterei: Nicht die Äpfel werden verkauft, sondern Saft zu einem preiswerten Preis bis in die Schule weitergegeben. Nur hierdurch entstehen Gewinne, die den Streuobstbau lohnend machen, eine nachhaltige Wirkung für kommende Generationen ermöglichen und zur Teilnahme motivieren. Falls Streuobstbesitzer Hilfe benötigen, soll sie durch die Mitarbeit sozialer Einrichtungen bei Bewirtschaftung und Pflege erbracht werden.
Behinderte oder psychisch Kranke finden hierdurch nicht nur eine sinnvolle Beschäftigung, sondern erwerben gleichzeitig einen Teil der Ernte zum Frischverzehr oder zur Weiterverarbeitung zu Gelees, Kuchen oder getrockneten Apfelchips. Überschüssiges Obst wird in der Kelterei zu Saft verarbeitet, der dann zum verbilligten Lohnmostpreis in Wohn- und Tagesstätten sozialer Einrichtungen ausgeschenkt werden kann.
In den Schulen kann durch die Ausgabe von regionalem Fruchtsaft auf Apfelsaftkonzentrate sowie auf zuckerhaltige Limonaden verzichtet werden. Ökologische Aspekte können projektbegleitend im Biologieunterricht behandelt, gesunde Ernährung durch Kochkurse, Apfelfeste und Kelterprojekte erlernt werden.
Sofern die SchülerInnen in die Bewirtschaftung der Streuobstflächen eingebunden werden, ist auch für ausgleichende Bewegung an frischer Luft während der Schulzeit gesorgt. In selbst organisierten Apfelverkaufsprojekten können sich Kinder in Marketing, Kalkulation und Buchhaltung üben und z.B. schuleigene Etiketten für Saftflaschen entwerfen. Im Nachmittagsunterricht kann die Arbeit im Schulgarten vor allem im Winterhalbjahr durch Streuobstaktivitäten sinnvoll ergänzt werden.
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